Suche  

Frosch Sportreisen  

froschsommer3

Bookmarks  

Marokko Trekking im Hohen Atlas

Marokko Trekking im Hohen Atlas

PDFDruckenE-Mail
Benutzerbewertung: / 17
SchwachPerfekt 

Marokko
Urlaub im Land von Wallnuss-, Mandel- und Feigenbäumen

Deutschland stöhnte im Juli 2006 unter der Hitze als ich in Frankfurt den Flieger bestieg und mit Zwischenlandung in Madrid nach Marrakesch, die „Perle des Südens“, in Marokko flog. Ziel war ein Zelttrecking durch das Gebirge des Hohen Atlas. Damals hatte ich mich gefragt, wie kommt ein Normalsterblicher auf die Idee, im Hochsommer in einer Gegend Urlaub zu machen, die nach nur aus trockenem Boden und Gestein zu bestehen schien. Hinzu kommt die Höhe von über 4000 Meter. Nun gut, der Grund der Reise in dieser Jahreszeit war einfach, meine Freundin ist beruflich eben an solche Zeiten gebunden. Und sie war es auch, die mich ermutigte, kurzfristig bei
    Wikinger - Reisen zu buchen.

Und um es schon vorab zu resümieren, der Urlaub in Marokko hat sich rundum gelohnt. Das lag an der Schönheit der Landschaft, der tollen Treckingstrecke und an den freundlichen Menschen, denen ich dort begegnete. Hinzu kam, dass die klimatischen Verhältnisse für uns besser verträglich waren, als ich es im vorhinein befürchtet hatte. Natürlich waren es auch die vielen neuen Eindrücke, die ich mit nach Hause nehmen konnte, die diese Reise unvergesslich machte. Das positive Gesamtbild wird dadurch abgerundet, dass die Tour logistisch gut durchgeführt wurde, unser Reiseleiter und gleichzeitiger Bergführer im Zusammenspiel mit unserer Begleitmannschaft uns hervorragend betreut haben und wir eine, wenn auch m. E. zu große, harmonische Treckinggruppe bildeten. 
 Nun, ich habe meine Meinung über den Gesamteindruck der Tour schon vorweggenommen.) Meine nachfolgende Schilderung gibt die Ereignisse der Tour chronologisch so wieder, wie ich sie noch im Gedächtnis habe. Tagesaufzeichnungen liegen mir nicht vor. Ich möchte in meiner Zusammenfassung weder detailliert Daten über das Land und speziell über den Hohen Atlas auflisten, diese können im Internet abgerufen werden, noch kann ich eine genaue Tourenbeschreibung geben. Dazu war bzw. ist der Wegeverlauf im Bereich des Gebietes zu komplex und aufgrund von Kartenprobleme schwierig zu beschreiben. Ich habe mich voll auf unseren Bergführer verlassen, und das war gut so. Denn ohne einen solchen Führer ist die Durchquerung dieses Gebirges aus meiner Sicht für Normalgeher kaum zu empfehlen, denn Wegemarkierungen sind kaum vorhanden oder fehlen völlig und für uns taugliche Karten im gewohnten 1 : 25.000er Maßstab habe ich nirgends gesehen. Für uns war das ja auch kein Thema, wir hatten eine organisierte Tour gebucht. 
 Der Flug mit Iberia-Airlines war ruhig, und wir landeten pünktlich am Zielflughafen in Marrakesch. Im Ankunftsgebäude wurden wir schon erwartet. So lernten wir unseren Bergführer Brahim kennen, der im Laufe der Tour für uns mehr wurde als nur ein Bergführer. Er verriet mir später einmal im Gespräch, dass es für ihn nicht vordergründig sei, uns durch seine Heimat zu schleusen und uns auf den Toubkal zu hetzen, ihm sei vielmehr wichtig, dass er uns seine Heimat zeigt, uns mit der Struktur und den Gebräuchen seiner Landsleute, so gut dies in der kurzen Zeit möglich sei, vertraut zu machen, um somit zu einer Art Völkerverständigung beizutragen. Die Besucher seiner Heimat sollen ein positives Bild erhalten und als Multiplikatoren diese positiven Eindrücke im eigenen Heimatland anderen vermitteln. Brahim ist Berber, ein Wort dass die Einheimischen eigentlich nicht gerne hören, weil es negativ belastet ist. Das Wort Berber haben die Römer geprägt und es leitet sich von Barbaren ab. Und dass wir Barbaren angetroffen haben, kann man wirklich nicht behaupten. Wir haben vielmehr ausnahmslos nette und liebenswerte Menschen in den Dörfer erlebt. Die wir Berber nennen, bezeichnen sich selber vielmehr als Imazighen, im Singular Amezigh, und so möchten sie auch angesprochen werden. ihre Sprache ist das Tamazight.
Später erfuhren wir auch einiges zur Geschichte von Marokko, über den Aufbau des Staates, über die Funktion des Königs und die Aufgaben des Parlaments und über die gesellschaftlichen Strukturen der Imazighen (vom Individuum, über die Familie, Stämme usw.). 

Interessant waren für mich allerdings die Fragen im Zusammenhang mit der muslimischen Religion und eingeleiteten Reformen, z. B. das Heraufsetzen des Mindestalters heiratsfähiger Frauen. Zu diesem Thema und vielen anderen bestehen in unserem Lande trotz Fernsehen und anderen Berichterstattungen immer noch zum Teil antiquierte Vorstellungen.
Erstaunt hat auch die Tatsache, dass es im Tamzight eine eigene Schreibweise gibt, die für uns natürlich genau so fremd wirkt, wie die arabische. Aber keine Angst, wer der französischen Sprache mächtig ist, kann sich in Marokko sehr gut verständigen. Und wer die internationale Gestikuliersprache beherrscht, so wie ich, muss auch nicht verhungern oder gar verdursten.
Vom Flughafen ging es per Kleinbus in ein gemütliches Hotel mit Pool und Palmengarten. Meine Freundin und ich haben den locker vereinbarten abendlichen Treff nicht abgewartet und sind zu Fuß in die etwa dreiviertel Stunde entfernt gelegene Innen- bzw. Altstadt von Marrakesch gegangen. Zunächst war die Orientierung etwas schwierig, die Mohamed V. Avenue zu finden. Ehe wir uns recht versahen, hatte uns ein netter, altersmäßig sehr schwer einzuschätzender Herr im Schlepp, der uns auf gebrochenem Deutsch erklärte, dass er in der Küche des Hotels arbeite und uns ein Stück begleiten würde. Er habe den selben Weg. Natürlich nicht ohne Hintergedanken. An irgend einem Kiosk ähnlichem Laden hatte er auf unsere Kosten 2 Packungen Malboro erworben und angedeutet, wir müssten immer geradeaus gehen. Das hätte er eigentlich schon am Hotel sagen können. Na egal, wir waren schnell auf der gewünschten, mit Autos und Pferdedroschken vollgestopften Avenue, und schon bald kam das Wahrzeichen der Altstadt, die Koutoubia-Moschee in Sicht. Unterwegs erfreuten wir uns der schönen Häuser und der großzügigen Parks. Dann bekam ich glänzende Augen, die Avenue war als Allee angelegt mit Limettenbäume, dachte ich. Irgendwann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und pflückte eine der einladenden grünen Früchten, das Wort Klauen war bei meinem Durst jetzt nicht angebracht, und biss hinein. Der eklige Geschmack und das Brennen auf Lippen und Zunge verfolgte mich längere Zeit. Auch die böse Ahnung, dass ich mich da vielleicht halb vergiftet haben könnte, machte mir etwas zu schaffen. Es stellte sich allerdings später heraus, dass die Angelegenheit zwar nicht nett aber doch harmlos war. Es waren unreife Pomeranzen, die offensichtlich im unreifen Zustand Limetten ähneln. Hier hätte mir das Sprichwort mit dem Bauern, der nicht isst, was er nicht kennt, Warnung sein sollen.
Das gibt mir die Gelegenheit, eine Exkursion in die Landwirtschaft des von uns durchwanderten Gebietes zu unternehmen. In Marrakesch selbst und vor der Stadt begegnet man großen Olivenhainen. In den Tälern des Hohen Atlas fließen in der Regel Bäche. Diese Tatsache und ein gut durchdachtes Bewässerungssystem, ermöglichen es, dass die Dörfer von großen grünen Zonen umschlossen sind, wo Kartoffeln, Mais und andere landwirtschaftliche Produkte angebaut werden. Auffallend sind auch Plantagen mit Äpfel- und Birnbäumen, und überall stehen mächtige Wallnussbäume. Natürlich findet man auch hin und wieder Mandel- und Feigenbäume. Leider waren weder die Nüsse noch die Feigen reif. Allerdings konnte ich schon einige frischen Mandel, direkt vom Baum geerntet, essen. Eine Delikatesse und Durst löschend sind die Früchte von wild wachsenden Kakteenarten.
Zurück nach Marrakesch. Wir erreichten den Djemaa el Fna-Platz, übersetzt „Platz der Geköpften“. Zwischen den vielen Ständen, an denen gekühlte Orangengetränke, Essen, Kleidungsstücke und Gebrauchsgüter des täglichen Lebens angeboten wurden, tummelten sich Gaukler, Musiker, Tänzer, Schlangenbeschwörer und Gruppen, in denen offensichtlich Märchen erzählt oder debattiert wurden. Wir erreichten die Suqs oder Souks, die größten des Landes. Das Treiben in diesen engen Gassen durch die einzelnen Gewerbe- und Fachbereiche kannte ich bereits von meinem Besuch im Jemen. Der Besuch der Suqs ist uns fremdartig und kann auch lustig sein, aber in Folge der Enge der Gassen und des Schiebens durch dichte Menschenmenge, vermischt mit teilweise gewöhnungsbedürftigen Gerüchen, fast schon Stress. Unterwegs begegneten uns reiche, elegant gekleidete Marokkaner, junge Mädchen in Jeans, Miniröcken und Kaftans und westlich gekleidete Jungs, teilweise mit Trikots von europäischen Fußballvereinen. Für uns typisch arabische Kleidung sahen wir eigentlich meist nur bei den Akteuren auf dem Platz und in den Verkaufsräumen.

 

Den Abend ließen wir mit einem guten Essen und einem sehr guten marokkanischen Rotwein in einem gemütlichen Dachterrassenrestaurant ausklingen. Ich lernte zum ersten Mal Tajine kennen, eine marokkanische Spezialität. Es handelt sich um ein Tongefäß, in dem das Essen gegart wird. Ich habe diese Art der Essenszubereitung auf unserer Treckingtour immer wieder beobachtet. Eigentlich eine praktische Angelegenheit. Das ganze besteht aus gebranntem Ton. Im unteren Teil gibt man Holzkohle oder ähnliches hinein. Eine zusätzliche Feuerstelle ist demnach nicht erforderlich. Die Feuerstelle wird mit einem vertieften Teller abgedeckt, auf dem die Speisen sind und gleichzeitig als Essteller dient. Auf diesem Teller befindet sich ein kegelförmiger Aufsatz mit einer Öffnung an seiner Spitze zur Abluft. Das Essen darin wird gedünstet oder geschmort. Ich hätte mir gerne so ein Kochgerät mit nach Hause genommen. Aber der Transport erschien mir dann doch kompliziert.
Der Weg zum Hotel tat uns gut, und wir hatten das Gefühl, dass wir zu Fuß schneller unterwegs waren als Bus oder Taxi. Die Avenue Mohamed V. war um diese Uhrzeit zum Bersten mit den verschiedensten Verkehrsmitteln vollgestopft. An der Poolbar trank ich dann noch ein Bier, bevor ich zufrieden aber doch müde meine Schlafgelegenheit aufsuchte.
Nach einem ausgedehnten Frühstück stand die Besichtigung der Altstadt, die Medina, und deren Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Wir sahen alte prunkvolle Gebäude von mehr oder weniger prominenten reichen Leuten, Gräber aus einer früheren Epoche, lauschten den Worten unseres Stadtführers, wenn er uns etwas über die Lebensweise der Reichen berichtete, genossen während dessen den Schatten in den liebevoll angelegten Gärten in den Innenhöfen der Villen, bummelten entlang der Mauer des Königspalastes, erfuhren, dass es verboten ist, dort die Polizisten zu fotografieren, und erfreuten uns an den Störchen auf einigen Gebäuden. Irgend wie landeten wir dann in den Suqs in eine Art Betrieb zur Herstellung von Heilmitteln und Kosmetikas. Natürlich veranlasste uns die sprichwörtliche arabische Sprachbegabung, wenn auch in deutsch gehalten, einiges dieser angepriesenen „Wunder“-Mittel zu kaufen. Später aßen wir zu Mittag in dem Restaurant, das wir abends zuvor bereits kennen gelernt hatten. Der Abend bescherte uns ein gutes Essen in einem schönen Gartenrestaurant mit einem herrlichen Brunnenambiente. 

Da wir nach unserer Treckingtour noch einen Tag in Marrakesch verweilten, noch einige Anmerkungen zu dieser Stadt. Es handelt sich um eine geschichtsträchtige Großstadt, die den Vergleich mit den Metropolen anderer Länder nicht scheuen muss, pulsierend, modern, ohne seinen orientalischen Charme verloren zu haben, und weltoffen. Die Reisehinweise unseres Reiseanbieters hinsichtlich Banken, Kleidung usw. waren zumindest für Marrakesch nicht mehr aktuell. Banken zum Geldwechseln, Geldautomaten, Geschäfte, alles reichlich vorhanden, die westlich orientierte Kleidung der jungen Frauen habe ich bereits oben schon erwähnt. Männer sind eher traditionell gekleidet. Und Alkohol zu besorgen, wenn er sein muss, ist auch kein Problem. In den gehobenen Restaurants wird selbstverständlich auch Bier und Wein serviert. Beeindruckt war ich von dem neu erstellten Viertel, wo in großzügiger Bauweise Banken und Hotels aus dem Boden gestampft wurden, bestechend die Architektur in einer Symbiose aus Tradition und Modernem.
Am nächsten Morgen ließen wir die Großstadthektik hinter uns. In Kleinbussen ging es in etwa 4 Stunden Fahrt unserem eigentlichen Ziel entgegen, Imlil am Hohen Atlas. Hier bezogen wir in einer einfachen

Wik 1204T

Selbstversorgerhütte des Französischen Alpenvereins Quartier. Bald schon lernten wir auch unseren Koch kennen, den liebenswerten und immer freundlichen Hussin, und seinen ebenso freundlichen Gehilfen. Wenn man Imlil betrachtet, bekommt man den Eindruck, dieses Dorf sei der einzige Ausgangspunkt, um in den Hohen Atlas zu gelangen. Hier treffen überproportional viele ausländische Treckinggruppen aufeinander. Das geschäftliche Treiben in Imlil ist eine der beiden negativen Seiten, die ich während des gesamten Treckingaufenthaltes erfahren habe. Was war geschehen? Nach einer kleinen Eingehtour rund um den Ort wollten wir die Auslagen der angebotenen Waren in Ruhe betrachten. Doch dazu kam es kaum. Wir wurden ziemlich massiv, um nicht zu sagen aggressiv, gedrängt, die einzelnen kleinen Läden zu betreten und Waren zu kaufen. Das war schon eher eine unangenehme Erfahrung. Offensichtlich hat auch hier leider der Tourismus den Charakter der Geschäftsleute versaut. Um das Bild mit den aus meiner Sicht einzigen negativen Erfahrungen der Tour abzurunden, erwähne ich an dieser Stelle auch das zweite Übel, der wilde Müll. Schon der Unrat in den Dörfern betrübte das Landschaftsbild, aber mehr noch der entsorgte Treckingmüll rund um die Alpenvereinshütte “ auf 3207 m Höhe bei Neltner. Rund um die Hütte und den angrenzenden Zeltplätzen ist alles zu besichtigen, was man für das moderne Trecking benötigt: Entsorgte Konservendosen, leere Glas- oder Plastikflaschen, Glas, Kronkorken, Gaskartuschen, Batterien usw., sogar ein entsorgter Campingkocher war kaum zu übersehen. Der Müll zurückgelassen wohl von Natur liebende Bergfreunde, denen die Sehnsucht nach der Schönheit der Bergwelt „am Herzen liegt“.
So, jetzt ist der Weg frei, sich wieder unserer Tour zuzuwenden. Am nächsten Morgen lernten wir unsere übrige Begleitmannschaft kennen. Sie bestand aus 10 Männern mit ihren Maultieren und den beiden schon erwähnten guten Geistern aus der Küche. Mit Brahim und uns 17 Touristen alles in allem 30 Personen und 10 Tiere, eine stattliche Karawane.
Als ich das Chaos, bestehend aus unseren persönlichen Gepäckstücken, den Zelten, den Küchenutensilien, den Kartons mit den Lebensmitteln für 10 Tage und vieles mehr morgens vor der Hütte sah, kamen mir erhebliche Zweifel, ob die Mannschaft dies alles logistisch meistern würde und die Tiere diese Lasten den Berg hinauf gebuckelt bekämen. Wir verließen die Hütte gerade, als die Tiere beladen wurden. Ich traute meinen Augen kaum, als ich die Karawane schon nach kurzer Zeit mit uns auf gleicher Höhe bemerkte, wie sie dann rasch an uns vorbeizog und in der Ferne verschwand. Dieses Phänomen logistischer Meisterleistung habe ich bis zum Schluss der Tour bewundert. Dabei erstaunte auch die Leichtigkeit, mit der sich die Karawane im Gelände bewegte, und mit welch freudiger Hingabe die Mannschaft bei der Sache war.
Erstaunlich auch, wie die Männer die Strapazen wegsteckten und abends am Zeltplatz noch freudig auf ihren „Musikinstrumenten“, wie Wasserkanister und Plastiktellern, trommelten und dabei sangen. Hin und wieder wurde derartiges musikalisches Treiben mit Tänzen gepaart. Das wiederum animierte überwiegend die weiblichen Treckingteilnehmer sich an diesen Darbietungen in fröhlicher Runde zu beteiligen. Jedenfalls war es ein fast allabendliches Ritual vor dem immer wieder hervorragend zubereitetem und wohlverdientem Essen.
Wenn man Essen erwähnt, darf man die besondere Teerituale nicht vergessen. Also Tee gab es eigentlich morgens -ersatzweise Kaffee-, mittags, nachmittags und abends, vom schwarzen Tee, über Pfefferminztee bis zum Eisenkrauttee. Gemeinsam war allen Teesorten der hohe Grad an Süßem. Nach einer Abstimmung gab es im weiteren Verlauf des Treckings zumindest nachmittags und abends neben dem gewohnt gezuckerten auch ungezuckerten. Für mich als nicht gerade begeisterter Teefan beides keine große Freude. Das Getränk tat aber schon mal gut, und auf so einer Tour muss man halt auch viel trinken.
Das Essen war nicht nur lecker, sondern auch so reichlich, dass ich meine vielen mitgeschleppten Müsliriegel im Laufe der Zeit komplett an die Mannschaft verteilte. Den Kindern in den Dörfern durften wir aus verschiedenen nachvollziehbaren Gründen weder Bonbons noch sonstige Geschenke geben, auch wenn sie einen mit noch so großen braunen Augen freundlich anlächelten. Praktische Dinge für die Schule sind wohl sehr willkommen, sollten aber dem jeweiligen Bergführer ausgehändigt werden, der sie dann an die Lehrer oder andere kompetenten Personen weitergibt. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass die Kinder, anders als z. B. auf meinen Treckingtouren im Jemen oder in der Türkei, zumindest nach meiner Wahrnehmung, nirgendwo gebettelt haben. Das war eine positive Erfahrung, zeugt es doch davon, dass diese Kinder touristisch nicht verdorben sind. Die Frage stellt sich allerdings, wie lange das anhält. Denn auch in den Dörfern zieht so langsam die Versuchung des Modernen ein. Wie sagte es Brahim doch so schön, erst kommt Asphalt, dann der Strom, dann das Fernsehen. Ja, in einigen Dörfer sahen wir mehr oder weniger Satellitenschüsseln auf den meist aus Stampflehm gebauten Häuser, selbst in Dörfern, in denen der Strom noch nicht Einzug gehalten hatte. Dort sind Dieselaggregate im Einsatz. Autos dagegen sind eher noch eine Seltenheit. So gesehen ist der Hohe Atlas noch eine besinnliche Ruhezone. Autos hätten derzeit auch kaum die Möglichkeit auf Grund unzureichender Straßenverhältnisse die meisten Dörfer zu erreichen. Das Haupttransportmittel ist das Maultier oder die menschliche Muskelkraft, letzteres überwiegend durch junge Frauen. Erstaunlich mit welcher Leichtigkeit die Mädchen oder jungen Frauen die schweren Lasten, bestehend aus Feuerholz oder Viehfutter, nur mit einem Seil gehalten, auf ihren Rücken schleppen. Ich habe mich mal an so einem Kraftakt versucht. Uff, wenn Brahim mir nicht geholfen hätte, ich glaube, ich hätte mich vor der Dorfjugend blamiert.
Den ersten Zeltplatz erreichten wir über dem Pass Mzzik bei Tizi Oussem. Nach einer kurzen Einweisung schlugen wir unter alten riesigen Walnussbäume so rasch es unser Geschick erlaubte, unsere Zelte auf. Anschließend nahmen wir ein Bad im angrenzenden Bach, dessen klares Wasser uns geradezu ein Bad aufdrängte. Das nahmen wir gerne an und oftmals so, wie wir das Licht der Welt entdeckt haben. Dieser Bade-Gedanke begleitete uns von da eigentlich von Zeltplatz zu Zeltplatz. Es war nach dem Aufschlagen der Zelte meist ein Muss, Wasser stauen und ab ins kühle Nass. Eine Wohltat nach dem vielen Schwitzen und dem Staub unterwegs war es allemal.

Zum Pass Mzzik muss ich noch einen kleinen gedanklichen Abstecher machen. Man schnauft in der Glut des Tages, entlang an Wacholderbäumen, ziemlich steil hoch. Wir waren zu diesem Zeitpunkt noch in der Phase der Höhenanpassung. Da stand plötzlich dort oben ein junger Mann vor uns und verkaufte locker halbwegs gekühlte Getränke, Coca-Cola, Fanta, Wasser usw. Selbst Schokoriegel waren im Angebot. Er hatte alle Produkte selbst bergauf geschleppt. Geschäftstüchtig nahm er zwar ca. 100 v. H. Höhenzuschlag, aber Hut ab vor so einer Geschäftsidee und dem Fleiß. Bleibt nur zu hoffen, dass auf dem Pass daraus nicht ein Kiosk wird. Dies wäre dann wieder zu viel des Guten. Den negativen Ausfluss von geschäftlichem Erfindergeist haben wir später am wunderschönen Bergsee Lac d’ifni noch erleben „dürfen“.
Laut Programmtext des Veranstalters führte uns der weitere Route über zahlreiche Pässe, die so schöne Namen führten wie Tizi-N-Tougdat, Tizi-N-Iguidi oder Tizi-N-Tfuright.
Unsere Blicke gingen in die tiefen, grünen Täler und über die vielen Gipfel. Brahim hatte zwischendurch einmal stolz erwähnt, dass der Hohe Atlas 10 x 4000er und 400 oder mehr 3000er sein eigen nennt. Beeindruckt hat mich nicht so sehr die Anzahl der Gipfel, sondern vielmehr die sich dauernd ändernde Gipfelformen. Sind in den Alpen viele Gebirgszüge in ihren Übergängen fließend und oftmals ohne tiefe Einschnitte, habe ich die Gipfel im Hohen Atlas abwechslungsreicher in Erinnerung. Da standen kegelartige Gipfel neben Tafelberge und bizarre Felsmassive einträchtig nebeneinander. Es war eigentlich die Vielfalt an Gipfelformen, die das Gebiet spannend erscheinen ließ. Und hin und wieder haben wir auch in Nischen Reste von Schnee erkennen können.
Tisghar und Tindoudine waren die Orte, in den wir unsere Zelte für die nächsten Übernachtungen aufschlugen. Auf einem Zeltplatz hatte ich eine Begegnung der besonderen Art. Als ich einen Stein zur Befestigung des Zeltes aufhob, lief darunter ein Skorpion weg. Obwohl er offensichtlich mehr Angst vor mir hatte als ich vor ihm, habe ich ihn vor Schreck reflexartig mit dem Stein erschlagen. Ich hatte mir diese Tiere eigentlich größer vorgestellt. Womöglich gibt es unterschiedliche Exemplare. Später fand ich neben dem Zelt noch so ein Exemplar, das aber schon das Zeitliche gesegnet hatte. Dieses Erlebnis war mir Warnung, bei diesem Trecking auch auf solch liebe Tiere zu achten. Auf der weiteren Tour habe ich allerdings keinen Skorpion mehr entdecken können. 
 Wenn auch manchmal steinig, so waren unsere Zeltplätze allesamt sehr schön und naturgemäß ruhig gelegen. Bis auf einen, lagen sie alle an irgend welchen Wasserläufen. In diesem Zusammenhang sei noch kurz bemerkt, dass wir hinsichtlich des Wassers nie Probleme hatten, sei es zur Körperpflege oder zur Säuberung unserer Wanderkleidung noch um Trinkwasser. Einige Tage waren wir allerdings auf Micropor angewiesen. 

Im weiteren Verlauf der Tour akklimatisierten wir uns immer mehr, und wir lernten auf unseren weiteren Strecken die Architektur im Hohen Atlas kennen, erfuhren, wie Lehmziegel hergestellt werden und bekamen bei so mancher Durchquerung der Dörfer auch verschiedentlich Einblicke in das Leben der Einheimischen. An einem Tag waren wir zu Gast in einem Haus, wo wir Tee tranken. Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns von dem Isolationskomfort der Lehmbauweise überzeugen. In den Räumen war es angenehm kühl. Wenn auch die Ausstattung etwas spartanisch war,ging doch von dem Inneren des Hause eine schöne wohnliche Atmosphäre aus.
Natürlich wurden wir in den Dörfern neugierig beäugt und doch bei aller Zurückhaltung der Dorfbewohner freundlich begrüßt. Die Leute strahlten meist eine fröhliche Zufriedenheit aus. Die Kinder zeigten sich in der Regel ohne Scheu, und hin und wieder machten wir einen Jungen stolz, wenn wir ihn per Handschlag begrüßten. Wie schon erwähnt, nirgends ein Betteln, schon gar kein aggressives. In einem Dorf waren es unsere weiblichen Tourteilnehmer, die in Mitten einer Schar Mädels saßen und ihrem Singen lauschten und dabei kräftig klatschten. Die Mädels hatten von unserer Mannschaft die Wasserkanister ausgeliehen und diese als Trommelersatz eingesetzt. Wir verstanden zwar nicht, was sie sangen, aber es war melodisch und voller Inbrunst vorgetragen. Als wir Männer dann rhythmisch stehend mitklatschten, verloren einige Jungen ihre Schüchternheit und reihten sich bei uns ein. Während dessen wuschen die größeren Mädchen nebenan am Bach die Wäsche der Familien, es war Sonntag und offensichtlich Waschtag. Die Kinder waren so begeistert, dass sie uns noch lange bis weit vor das Dorf begleiteten. Zurück blieb ein Winken, bis der Horizont uns verschluckte.

In den nächsten Tagen lösten sich geröllartige Wege und alpine Steige ab. aber eines hatten die meisten Wege gemein, sie waren ziemlich staubig. In dieser trockenen Umgebung eigentlich eine Normalität. Doch dann hieß es plötzlich Wanderschuhe aus, rein in die Wandersandalen und es ging ein großes Stück Weges durch ein Bachbett. Das Wasser war zwar nicht sonderlich kalt, doch es war an manchen Stellen mehr als kniehoch, so dass man Obacht auf Geldbörse, Fotoapparat usw. geben musste, zumal die Steine im Bach an manchen Stellen ziemlich glatt waren und zum Ausrutschen verleiteten. 

Am 10. Treckingtag erreichten wir den Lac di’Ifni, einem auf 2295 m hoch gelegenen herrlichen Bergsee. Hier übernachteten wir, aber nicht vorher ein herrliches Bad in dem See genommen zu haben. Es war ein Genuss hier zu schwimmen, wenn man den Anfangsschock des kalten Wassers überwunden hatte. Danach gab es noch eine kühle Cola an provisorisch erstellten Hütten, eines der Schattenseite modernen Trecking-Tourismus. Aber man muss auch hier Verständnis dafür aufbringen, dass die einheimische Bevölkerung an dem aufkeimenden Tourismus in den Bergen partizipieren möchte. 
Der nächste Tag bescherte uns die eigentliche Schlüsselstelle der Tour. Es sollte auf den Sattel des Tizi Ouanoums hinaufgehen, eine Höhe von 3.660 m, und von dort wieder hinab nach Neltner, auf 3.200 m. Um die Morgenkühle auszunutzen stiegen wir bereits um 5 Uhr auf. Der Weg führte uns anfangs ziemlich beschwerlich über Blöcke und Steine. Doch bald schon entpuppte sich dieser Weg als angenehmer Steig, der uns langsam serpentinenartig nach oben führte. Brahim legte oberhalb 3.000 m hin und wieder eine Verschnaufpause ein, so dass wir uns alle der Höhe gut anpassen konnten. Auf dem Sattel machten wir eine längere Pause. Wir genossen den herrlichen Weitblick bis hinein in die Sahara. Ich hätte hier noch etwas verweilen können, aber wir mussten zu unserem Zeltplatz, der neben dem bereits erwähnten Refuge Du Toubkal bei Neltner, auf 3205 m Höhe, lag. Der nächste Tag war Gipfeltag, es galt den 4.167 m hohen Toubkal zu besteigen. Brahim gab die Marschrichtung vor, d. h. 4 Uhr wecken, 5 Uhr Abmarsch. 
Am Abend vorher hatte ich mich noch im Bach gewaschen und unter dem kleinen Wasserfall eine Dusche genommen. Anschließend habe ich dann noch meine Wandersachen vom Tage gewaschen. Ob ich versehentlich Wasser schluckte oder mich unterkühlt hatte, ich weiß es nicht. Jedenfalls rumorte es abends in meinem Bauch, der sich auch sehr kalt anfühlte. Am Abend gab es zur vermehrten Aufnahme von Kohlenhydrate Nudeln. Gegen 22.30 Uhr verließen diese Nudeln meinen Körper auf dem selben Wege, wie in meinen Körper gelangt waren. Der Rest war dann auch nicht sonderlich angenehm. Ich will jetzt meine anschließenden 4 Ausflüge aus dem Zelt nicht im Detail beschreiben, aber mir war es so elend, dass ich es nicht geschafft habe, um 4 Uhr aufzustehen. Und wenn ich es geschafft hätte, wäre mir es kaum möglich gewesen, mit der Gruppe den Aufstieg durchzustehen. Hussin hat mir später Tee ans Zelt gebracht und trockene Kekse gereicht. Ich hatte danach noch 2 Tage mit Magenkrämpfe zu kämpfen. Trotz meines elenden Zustandes kam mir zwischendurch der Gedanke, der Gruppe nachzusteigen und alleine den Gipfel zu besteigen. Diesen Gedanken ließ ich dann doch schnell fallen, zumal ich nicht genau wusste, wo der Aufstieg begann. Ich war einfach mit meinen Därmen zu sehr beschäftigt, als dass ich sagen könnte, ich wäre traurig oder enttäuscht gewesen. Da ich 2004 schon auf dem 1.000 m höheren Ararat stand, hielt sich meine Enttäuschung so gesehen in Grenzen. Im übrigen haben mir die Landschaft und die gesamte Tour so gut gefallen, dass ich es verkraften konnte, nicht auf dem Gipfel gewesen zu sein.

Von den Gipfelstürmern erfuhr ich nach deren glücklichen Gipfelsieg, dass der Auf- und Abstieg eigentlich problemlos gewesen sei und sie alle den Gipfel erreicht hatten. Natürlich war der Blick von dort oben sicherlich grandios. Dafür nimmt man als Bergsteiger ja letztlich die Mühen auf sich, um die Schönheiten und Weiten der Landschaften in sich aufzunehmen. Gegen Mittag war die Gruppe zurück und erfüllte so wieder das Lager mit Leben. 
Wir übernachteten noch einmal an gleicher Stelle. Der nächste Tag bescherte uns einen langen Abstieg hinunter auf 1.740 m nach Imlil, wo wir wieder in dem Refuge des französischen Alpenvereins übernachteten. Wir verabschiedeten uns von unserer Mannschaft und aßen zum letzten Mal noch einmal gemeinsam das, was uns Hussin zauberte.
Am nächsten Tag verließen wir Imlil mit 2 Kleinbussen und erreichten gegen Mittag wieder Marrakesch. Elisabeth und ich sahen uns die Stadt an, gingen noch einmal durch die Suqs und ließen den Abend dann im Le Sabal bei einem guten Essen und erstklassigem Rotwein unter Palmen ausklingen. Zwei Bauchtänzerinnen, die die anwesenden Gäste mit ihren Bauch schwenkenden Darbietungen auf den Tischen erfreuten, gab an dem gesamten Ambiente noch einen Hauch Exotik.
Der Schluss des Treckingaufenthaltes ist wie der Schluss eines jeden Urlaubs, am nächsten Tag Reisetasche gepackt, in den Kleinbus verstaut, ab zum Flughafen von Marrakesch. Von dort nach Madrid. Wer den Flughafen kennt, weiß welche Anstrengungen und Konzentration aufgebracht werden müssen, den richtigen Anschlussflieger zu erwischen. Aber es hat geklappt und so erreichten wir Frankfurt.
Vom Airport sollte es dann mit der Deutschen Bahn wieder nach Hause gehen. Und wenn man erst einmal mit der Deutschen Bahn Kontakt und dem damit verbundenen Chaos Kontakt aufnimmt, weiß man, dass man wieder in Deutschland angekommen ist.
Dass es eine schöne Treckingtour war, in einem schönen und liebenswerten Land, hatte ich eigentlich oben schon hinlänglich ausgeführt. Deshalb bleibt mir am Schluss nur noch festzuhalten: Dieser Urlaub hat sich gelohnt, und beim Betrachten der Bilder werde ich bestimmt gerne an dieses Land und die Treckingtour zurückdenken. Und einige Vorurteile sind erheblich weniger geworden. Dem kann ich nur noch ein Dankeschön an Brahim und an die Mannschaft hinzufügen. Ihr wart wirklich klasse. 

 
 Copyright © 2001- 14 bei Outdoor-Aktiv.com                            
nach oben

um kommentieren zu können müssen Sie sich anmelden Danke ( Vermeidung von Spam)

© 2017 - Copyright © 2016 Outdoor-Aktiv. Alle Rechte vorbehalten.
   
| Montag, 20. November 2017 ||