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lappländische Reise

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Lappland 2
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Lappland1Meine lappländische Reise – eine Liebeserklärung
Auszug aus Lappland Wandern von Steffi Wunderlich

Wieder einmal ist es soweit. Die monatelang zehrende Unruhe und Warterei hat ein Ende. Diese Sehnsucht nach grenzenloser Ruhe und Einsamkeit in Schwedens hohem Norden für ein paar Wochen wieder etwas stillen zu können. Diese Sehnsucht, in die – fast scheint es - noch unberührte, einmalige, grandiose, wilde Natur einzutauchen. Immer wieder neu bin ich diesem Land verfallen. Seinen von der letzten Eiszeit merkwürdig und lustig geschliffenen Bergrücken und Tälern. Die verzauberten Märchenwälder mit den Moosen, Flechten und Farnen. Die unzähligen Flüsse, Bäche, kleinen Moore und Tümpel.

Lappland 2Überall im Wald die Steine mit ihren dichten Fellen aus Moos, als müssten sie den harten und kalten Wintern trotzen. Riesige Felsbrocken, liegengelassen von den fliehenden Gletschern der Urzeit, nehmen die Gestalt von Fabelwesen an. Gäben sie nicht auch prächtige Bänke und Tische für die Berg- und Waldtrolle ab, mit all den anderen Fabelwesen, die eigentlichen Herrscher des Nordens. Sie sollte man nie erzürnen, dann könnten sich die Trolle als arg hinterlistig entpuppen. Reich gedeckt ist ihre Tafel mit allerlei schmackhaften Blau- und Preiselbeeren, und den einzigartigen nur hier oben vorkommenden Moltebeeren. Und ringsherum ein Meer aus tausendfarbigem Grün, ein Teppich aus Mooren, Wiesen, Wald.
Unendlich groß die Mengen an Beeren. Ein Großteil der Weltreserven an diesen schmackhaften „Bodenschätzen“ scheint hier in Lappland zu wachsen und zwischendrin allerlei Flechtenarten, von denen die Rentiere so gerne naschen. Rentiere sieht man häufig. Sie stehen zum Futtern am Straßenrand, marschieren sogar mitten auf dem Asphalt, um uns Autofahrern ihren Gebietsanspruch zu demonstrieren. Fährt man ganz langsam an sie heran, schauen sie einen mit ihren großen braunen Augen vorwurfsvoll an. Dann werfen sie ihren Kopf mit einem manchmal äußerst respektablen Geweih nach hinten und ziehen gewaltfrei und friedlich – der Klügere gibt ja bekanntlich nach – Richtung Wald, um nach kurzer Zeit wieder zum alten Platz zurückzukehren.
Was ist es aber noch an Schwedens hohem Norden, was mich seit meinem ersten Besuch wie magisch in seinen Bann zieht, mich wie einen Bazillus infiziert, vor dem ich mich nicht retten kann, ja gar nicht retten will? Hier finde ich all das in der Natur, was mein Herz begehrt; Wald, Berge, Wasser, Felsen Taiga und Tundra und endlich kann ich meine über das ganze Jahr angestaute Kokellust an all den Feuerstellen an kleinen und großen Seen stillen. Und es ist etwas Besonderes, eine stille, ganz besondere Freude in mir es ist wie nach Hause kommen.
Weit kann ich meinen Blick schweifen lassen. Meine Wanderung beginnt im üppigen Grün, unter Fichten und Kiefern. Dazwischen Wiesen- und Sumpfblumen mit Wollgras, Weidenröschen, Nordischem Eisenhut, üppig ausladendem Engelwurz, Trollblumen oder dem selten wachsenden König-Karlszepter. Sie geben der vielfältigen nordischen Flora ein einzigartiges Gepräge.
Hoch hinaus in die baumlose Region des Fjäll wird es gehen. So manches Mal kann ich kaum den Pfad erkennen, dem ich laut Markierung folgen soll. Mein Weg verengt sich an manchen Stellen bis auf Schuhbreite und ist mit Felstrümmern so dicht besät, dass das Wandern zu einer Strapaze werden kann. Sind es Pfade, getreten von Wanderern, oder wurden sie von Elchen und anderen Waldbewohnern im dichten Wald aus Kiefern, Fichten, Birken und den selteneren Erlen hinterlassen? Je höher ich klettere, desto lichter wird der Wald um mich herum. Nahe der Baumgrenze schauen vor allem buschähnliche Zwergbirken und -weiden über die Erde. Und überall am Pfadesrand liegen Elchkötter, ab und an eine Losung aus unverdauten Nadeln des Birkhuhns.
Der Stieg entpuppt sich mehr und mehr als steingesäte Hochtreppe. Das „darf“ ich auch in umgekehrter Richtung nachher probieren - bloß gut, dass sich die morschen Knochen auf Wanderstöcke stützen können. Am Waldrand und den lichten Ebenen stolpere ich fast über ein Meer an Pilzen, wie den z.B. für den Menschen ungenießbaren, in allen Rotschattierungen leuchtenden Fliegenpilz, vor allem aber den köstlichen, wohlschmeckenden, rotkappigen Birkenpilz. Wie Leuchtmarkierungen im grünen Waldteppich laden sie mich ein, und so manches Mal habe ich mich am Abend mit diesen Köstlichkeiten regelrecht überfuttert.
Selten begegnen mir auf meinen Wegen Menschen. Ich kann mich in eine Zeit versetzen, als die letzten mächtigen Eisschilde die Erde wieder freigaben, so ursprünglich scheint mir die Landschaft auch heute noch im Fjäll. Und ich erinnere mich an Carl von Linné, der zum faszinierendsten Phänomen des Nordens, dem Licht über Lappland, bemerkte: „Und dieses Licht dort ist vor allem von der Stille geprägt. Und so kann auch eine eintönige graue Landschaft unter einem niemals eintönig erscheinenden Lapplandhimmel jedes Mal erneut eine unbeschreibliche Faszination auslösen.“ Könnte ich mich doch vom Licht des Nordens satt essen.

Lappland 3Eine Tageswanderung an den Rand des Sarek 
Auf unserer alljährlichen Lapplandreise wohnen wir für 1-2 Wochen in Arrenjarka, einem wunderbar verträumten, ruhigen, am Saggat liegenden Campingplatz zwischen Jokkmokk und Kvikkjokk mit zahlreichen stillen Plätzen zum unbeobachteten Grillen, Beobachten und Fotografieren.
Heute wollen wir nun endlich eine Tageswanderung in einen der Nationalparks von Europas letzter Wildnis, in den Sarek, unternehmen. Darauf haben wir uns schon lange gefreut und also auch gut vorbereitet.
Der 1970 km² große Sarek- Nationalpark wurde 1909 gegründet und gilt als ursprünglichster Nationalpark Schwedens. Mit anderen angrenzenden Parks soll diese einzigartige Hochgebirgslandschaft erhalten werden, in der es keine touristischen Einrichtungen und Wanderwege gibt, nur ein kleines Stück vom Kungsleden (Königspfad) führt hindurch. Im Pflegeplan dieses Nationalparks steht, der Sarek soll eine Region bleiben, in der nichts unternommen wird, um eine Wanderung zu erleichtern. Für den, der vollkommen weglose Wildnis erleben will, stellt der Sarek mit seinen 200 Gipfeln über 1800 m Höhe, seinen über 100 Gletschern, Hochfjällweiten, engen Schluchten, wildbrausenden Flüssen und dem Rapaätnadelta eine Klasse für sich dar, aber auch eine gefährliche. Ein Wanderführer leistet uns gute Dienste bei unserer Wanderung.
Die Campingplatzbesitzerin von Årrenjarka telefoniert mit der samischen Familie, die den Transport der Wanderer den Sommer über organisiert.
Wir überlegen, ob wir die 10 km lange Trekkerfahrt bis zur Bootsanlegestelle hin und zurück ordern wollen, oder ob wir mindestens einen Weg mit unseren eigenen Kräften schaffen. Unsere Campingplatzinhaber, die diese kleine Eichhörncheninsel seit Generationen als Familienunternehmen betreiben und auch die Wetterbeobachtung unter ihren Fittichen haben, sagen uns einen sonnigen, blauen Himmel voraus. Wir bestellen also nur die Hinfahrt. Na dann kann es ja losgehen. Früh am nächsten Morgen düsen wir mit Proviant für den ganzen Tag, dem akribisch gepackten Fotorucksack nebst Fernglas mit unserem Auto Richtung Jokkmokk, Abzweig nach Seitevare, bis es an der Sitoälvsbron nicht mehr weiter geht. Nun müssen 10 km buckliger und holpriger Wegstrecke bewältigt werden.


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| Donnerstag, 21. September 2017 ||